Lied der Frauen

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Text original: 

Wenn es stürmet auf den Wogen
Strickt die Schifferin zu Haus,
Doch ihr Herz ist hingezogen
Auf die wilde See hinaus.
Bei jeder Welle, die brandet
Schäumend an Ufers Rand,
Denkt sie: er strandet, er strandet, er strandet,
Er kehrt mir nimmer zum Land.

Bei des Donners wildem Toben
Spinnt die Schäferin zu Haus,
Doch ihr Herz das schwebet oben
In des Wetters wildem Saus.
Bei jedem Strahle, der klirrte
schmetternd durch Donners Groll,
Denkt sie: mein Hirte, mein Hirte, mein Hirte
Mir nimmer mehr kehren soll!

Wenn es in dem Abgrund bebet,
Sitzt des Bergmanns Weib zu Haus,
Doch ihr treues Herz, das schwebet
In das Schachtes dunklem Graus.
Bei jedem Stoße, der rüttet
Bebend im wankendem Schacht,
Denkt sie: verschüttet, verschüttet, verschüttet
Ist mein Knapp' in der Erde Nacht!

Wenn die Feldschlacht tost und klirret,
Sitzt des Kriegers Weib zu Haus,
Doch ihr banges Herz, das irret
Durch der Feldschlacht wild Gebraus.
Bei jedem Schlag, jedem Hallen
Der Stücke an Berges Wand
Denkt sie: gefallen, gefallen, gefallen
Ist mein Held nun für's Vaterland.

Aber fern schon über die Berge
Ziehen die Wetter, der Donner verhallt,
Hör' wie der trunkenen, jubelnden Lerche
Tireli, Tireli siegreich erschallt.
Raben, zieht weiter! -- Himmel wird heiter,
Dringe mir, dringe mir, -- Sonne, hervor!
Über die Berge, -- jubelnde Lerche,
Singe mir, singe mir -- Wonne in's Ohr!

Mit Zypreß und Lorbeer kränzet
Sieg das freudig ernste Haupt.
Herr! Wenn er mir niederglänzet
Mit dem Trauergrün umlaubt!
Dann sternlose Nacht sei willkommen,
Der Herr hat gegeben den Stern,
Der Herr hat genommen, genommen, genommen,
Gelobt sei der Wille des Herrn!

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Literal
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