Auf eine Christblume I Lied

Tochter des Walds, du Lilienverwandte,
so lang von mir gesuchte, unbekannte,
im fremden Kirchhof, öd' und winterlich,
zum ersten mal, o schöne, find' ich dich!

Von welcher Hand gepflegt du hier erblühtest,
ich weiß es nicht, noch Wessen Grab du hütest;
ist es ein Jüngling, so geschah ihm Heil,
ist's eine Jungfrau, lieblich fiel ihr Teil.

Im nächt'gen Hain, von Schneelicht überbreitet,
wo fromm das Reh an dir vorüber weidet,
bei der Kapelle, am krystall'nen Teich,
dort sucht' ich deiner Heimat zauberreich.

Schön bist du, Kind des Mondes, nicht der Sonne,
Dir wäre tödtlich andrer Blumen Wonne,
dicht nährt, den keuschen Leib voll Reif und Duft,
himmlischer Kälte balsam süße Luft.

In deines Busens goldner Fülle gründet
ein Wohlgeruch, der sich nur kaum verkündet;
so duftete, berührt von Engelshand,
der benedeiten Mutter Brautgewand.

Dich würden, mahnend an das heil'ge Leiden,
fünf Purpurtropfen schön und einzig kleiden:
Doch kindlich zierst du, um die Weihnachtszeit,
lichtgrün mit einem Hauch dein weißes Kleid.

Der Elfe, der in mitternächt'ger Stunde
zum Tanze geht im lichterhellen Grunde,
vor deiner mystischen Glorie steht er scheu
neugierig still von fern und huscht vorbei.

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