An den Mond in einer Herbstnacht Lied

Freundlich ist dein Antlitz,
Söhn des Himmels!
Leis sind deine Tritte
Durch des Äthers Wüste,
Holder Nachtgefährte!

Dein Schimmer ist sanft und erquickend,
Wie das Wort des Trostes
Von des Freundes Lippe,
Wenn ein schrecklicher Geier
An der Seele nagt.

Manche Träne siehst du,
Siehst so manches Lächeln,
Hörst der Liebe trauliches Geflüster,
Leuchtest ihr auf stillem Pfade;
Hoffnung schwebt auf deinem Strahle,
Herab zum stillen Dulder,
Der verlassen gebt auf bedorntem Weg.

Du siehst auch meine Freunde,
Zerstreut in fernen Landen;
Du giessest deinen Schimmer
Auch auf die frohen Hügel,
Wo ich oft als Knabe hüpfte,
Wo oft bei deinem Lächeln
Ein unbekanntes Sehnen
Mein junges Herz ergriff.

Du blickst auch auf die Stätte,
Wo meine Lieben ruhn,
Wo der Tau fällt auf ihr Grab,
Und die Gräser drüber weh’n
In dem Abendhauche.

Doch dein Schimmer dringt nicht
In die dunkle Kammer,
Wo sie ruhen von des Lebens Müh’n,
Wo auch ich bald ruhen werde!
Du wirst geh’n und Wiederkehren,
Du wirst seh’n noch manches Lächeln,
Dann werd’ ich nicht mehr lächeln,
Dann werd’ ich nicht mehr weinen,
Mein wird man nicht mehr gedenken
Auf dieser schönen Erde.

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